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Product Compliance

Produktsicherheitsgesetz – Dein Leitfaden 2024

Das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) sichert die Produktsicherheit auf dem deutschen Markt durch klare Verantwortlichkeiten für Wirtschaftsakteure.

·29 min Lesezeit

Produktsicherheitsgesetz – Dein Leitfaden 2024

Was ist das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG)?

Das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) ist das zentrale deutsche Gesetz zur Gewährleistung der Sicherheit von Produkten auf dem deutschen Markt. Es setzt europäische Richtlinien in nationales Recht um und legt klare Verantwortlichkeiten für alle Wirtschaftsakteure fest — vom Hersteller über den Importeur bis zum Händler.

Für Amazon-Seller und Marken, die Produkte in Deutschland vertreiben, ist das ProdSG unverzichtbar: Es definiert, welche Anforderungen Produkte erfüllen müssen, bevor sie auf den Markt gebracht werden dürfen. Verstöße können zu Verkaufsverboten, Rückrufen und empfindlichen Bußgeldern führen.

Warum ist das ProdSG wichtig?

Das Produktsicherheitsgesetz verfolgt mehrere Ziele:

  • Verbraucherschutz: Schutz vor unsicheren Produkten, die Gesundheit oder Sicherheit gefährden
  • Marktvertrauen: Einheitliche Sicherheitsstandards schaffen Vertrauen bei Verbrauchern
  • Haftungsschutz: Unternehmen, die das ProdSG einhalten, minimieren ihr Haftungsrisiko
  • Freier Warenverkehr: EU-weit einheitliche Anforderungen ermöglichen grenzüberschreitenden Handel
  • Marktüberwachung: Behörden erhalten die Grundlage für effektive Kontrollen

Verantwortlichkeiten der Wirtschaftsakteure

Das ProdSG weist jedem Akteur in der Lieferkette spezifische Pflichten zu:

Hersteller

Der Hersteller trägt die Hauptverantwortung für die Produktsicherheit:

  • Durchführung einer Risikobeurteilung
  • Einhaltung aller anwendbaren Sicherheitsanforderungen
  • Erstellung der technischen Dokumentation
  • Ausstellung der EU-Konformitätserklärung
  • Anbringung der CE-Kennzeichnung (sofern erforderlich)
  • Angabe von Name, Handelsname und Kontaktanschrift auf dem Produkt

Importeure

Importeure — und dazu zählen viele Amazon-Seller, die Produkte aus Nicht-EU-Ländern beziehen — haben folgende Pflichten:

  • Sicherstellen, dass der Hersteller das Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt hat
  • Prüfen, ob die technische Dokumentation vorliegt
  • Eigenen Namen und Kontaktanschrift auf dem Produkt anbringen
  • Überprüfen, ob die CE-Kennzeichnung korrekt angebracht ist
  • Bei Kenntnis von Nichtkonformität: Korrekturmaßnahmen einleiten und Behörden informieren

Händler

Händler müssen:

  • Sicherstellen, dass Produkte mit CE-Kennzeichnung und korrekten Begleitdokumenten versehen sind
  • Keine Produkte verkaufen, von denen sie wissen, dass sie nicht konform sind
  • Lagerung und Transport so gestalten, dass die Produktsicherheit nicht beeinträchtigt wird

Bevollmächtigte

Für Hersteller außerhalb der EU können Bevollmächtigte in der EU bestimmte Pflichten übernehmen — etwa die Aufbewahrung der Konformitätserklärung und die Kommunikation mit Marktüberwachungsbehörden.

AkteurKernpflichten
HerstellerRisikobeurteilung, Konformität, technische Dokumentation
ImporteurKonformitätsprüfung, eigene Kennzeichnung, Dokumentenprüfung
HändlerVerkauf nur konformer Produkte, Dokumentenprüfung
BevollmächtigterVertretung des Herstellers in der EU
MarktüberwachungsbehördenKontrolle und Durchsetzung

Geltungsbereich des ProdSG

Betroffene Produktkategorien

Das ProdSG gilt für eine Vielzahl von Produkten:

  • Elektronische Geräte und Elektrogeräte
  • Spielzeug
  • Maschinen und Anlagen
  • Persönliche Schutzausrüstung
  • Druckgeräte
  • Aufzüge
  • Möbel
  • Textilien
  • Haushaltswaren
  • Sportartikel

Ausnahmen

Bestimmte Produktgruppen werden durch Spezialgesetze reguliert:

  • Lebensmittel: LFGB und EU-Lebensmittelrecht
  • Arzneimittel: Arzneimittelgesetz (AMG)
  • Medizinprodukte: Medizinprodukteverordnung (MDR)
  • Kraftfahrzeuge: Straßenverkehrsgesetz und EG-Typgenehmigung

EU-Richtlinien und deren Umsetzung

Das ProdSG setzt zahlreiche EU-Richtlinien in deutsches Recht um. Die wichtigsten:

Maschinenrichtlinie 2006/42/EG

Regelt die Sicherheitsanforderungen für Maschinen aller Art — von Industrieanlagen bis zu handgeführten Elektrowerkzeugen.

Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU

Betrifft elektrische Betriebsmittel zur Verwendung bei Nennspannungen zwischen 50 und 1.000 V Wechselstrom bzw. 75 und 1.500 V Gleichstrom.

Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG

Strenge Anforderungen an die Sicherheit von Spielzeug, einschließlich mechanischer, chemischer und elektrischer Eigenschaften.

Allgemeine Produktsicherheitsrichtlinie (GPSD) / GPSR

Die neue General Product Safety Regulation (GPSR) (EU) 2023/988 ersetzt die bisherige Richtlinie und stellt seit Dezember 2024 erweiterte Anforderungen, insbesondere an den Online-Handel.

Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung

EU-Konformitätserklärung

Die Konformitätserklärung ist ein rechtsverbindliches Dokument, mit dem der Hersteller erklärt, dass sein Produkt alle anwendbaren Anforderungen erfüllt. Sie enthält:

  • Produktidentifikation (Modell, Typ, Seriennummer)
  • Name und Anschrift des Herstellers
  • Auflistung der angewandten Richtlinien und Normen
  • Angabe des Konformitätsbewertungsverfahrens
  • Datum und Unterschrift des Verantwortlichen

CE-Kennzeichnung

Die CE-Kennzeichnung ist ein sichtbarer Nachweis auf dem Produkt, der die Konformität mit den anwendbaren EU-Richtlinien bestätigt. Sie ist für viele Produktkategorien verpflichtend und muss sichtbar, lesbar und dauerhaft angebracht sein.

Sicherheitsbewertung und Risikoanalyse

Kriterien der Sicherheitsbewertung

Die Sicherheitsbewertung berücksichtigt:

  • Produkteigenschaften: Material, Konstruktion, Funktionsweise
  • Wechselwirkungen: Zusammenspiel einzelner Komponenten
  • Vorhersehbare Verwendung: Einschließlich Fehlgebrauch
  • Verbraucherinformationen: Gebrauchsanweisungen, Warnhinweise, Sicherheitskennzeichen
  • Besondere Nutzergruppen: Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen

Risikoanalyse

Eine systematische Risikoanalyse umfasst:

  1. Gefährdungsidentifikation: Welche Gefahren gehen vom Produkt aus?
  2. Risikobewertung: Wie wahrscheinlich ist ein Schaden und wie schwer wäre er?
  3. Risikominderung: Welche Maßnahmen können das Risiko reduzieren?
  4. Dokumentation: Lückenlose Aufzeichnung aller Ergebnisse und Maßnahmen

Dokumentationspflichten

Technische Dokumentation

Die technische Dokumentation muss enthalten:

  • Technische Zeichnungen und Konstruktionspläne
  • Beschreibung des Produkts und seiner Funktionsweise
  • Angewandte Normen und Richtlinien
  • Prüfberichte und Testergebnisse
  • Risikobeurteilung
  • Gebrauchsanweisung in der Sprache des Zielmarkts

Gebrauchsanleitung

Jedes Produkt muss mit einer verständlichen Gebrauchsanleitung ausgeliefert werden, die:

  • Hinweise zur sicheren Verwendung enthält
  • Vor vorhersehbaren Gefahren warnt
  • Wartungs- und Pflegehinweise gibt
  • In deutscher Sprache vorliegt (für den deutschen Markt)

Rückrufmanagement und Marktüberwachung

Vorbereitung auf Rückrufe

Unternehmen sollten proaktiv einen Rückrufplan entwickeln, der folgende Punkte abdeckt:

  • Verfahren zur Meldung an die zuständigen Behörden
  • Strategie für die Kundenkommunikation
  • Organisation des Rückrufprozesses (Logistik, Erstattung, Umtausch)
  • Interne Verantwortlichkeiten und Eskalationswege

Meldepflichten

Bei Bekanntwerden von Sicherheitsrisiken müssen Wirtschaftsakteure unverzüglich die zuständigen Marktüberwachungsbehörden informieren. In Deutschland erfolgt die Meldung über das ICSMS-System (Information and Communication System on Market Surveillance).

Marktüberwachung

Die Marktüberwachungsbehörden der Bundesländer kontrollieren die Einhaltung des ProdSG durch:

  • Stichprobenkontrollen und Produktprüfungen
  • Überprüfung der CE-Kennzeichnung und Dokumentation
  • Marktüberwachungsprojekte zu bestimmten Produktgruppen
  • Zusammenarbeit mit EU-Behörden und dem RAPEX-System

Risikominimierung für Amazon-Seller

Praktische Maßnahmen

  • Sorgfältige Lieferantenauswahl: Nur mit Herstellern zusammenarbeiten, die Konformitätsnachweise liefern können
  • Eigene Prüfungen: Bei Zweifeln unabhängige Laborprüfungen beauftragen
  • Vollständige Dokumentation: Alle Nachweise zentral und zugänglich aufbewahren
  • Mitarbeiterschulungen: Compliance-Wissen im Team aufbauen
  • Monitoring: Regulatorische Änderungen verfolgen und rechtzeitig umsetzen
  • Versicherung: Produkthaftpflichtversicherung abschließen

Häufige Fehler

  • Fehlende oder unvollständige technische Dokumentation
  • CE-Kennzeichnung ohne durchgeführtes Konformitätsbewertungsverfahren
  • Keine deutsche Gebrauchsanleitung
  • Importeur-Angaben fehlen auf dem Produkt
  • Risikobeurteilung nicht durchgeführt oder veraltet

FAQ

Was ist das Produktsicherheitsgesetz? Das ProdSG ist das zentrale deutsche Gesetz zur Produktsicherheit. Es legt Anforderungen fest, die Produkte auf dem deutschen Markt erfüllen müssen, und definiert die Pflichten aller Wirtschaftsakteure.

Für welche Produkte gilt das ProdSG? Grundsätzlich für alle Verbraucherprodukte auf dem deutschen Markt — von Elektronik über Spielzeug bis zu Möbeln. Ausnahmen gelten für Lebensmittel, Arzneimittel und Medizinprodukte.

Welche Pflichten haben Importeure? Importeure müssen die Konformität der Produkte prüfen, ihren eigenen Namen und Kontaktdaten auf dem Produkt anbringen und die technische Dokumentation bereithalten.

Was ist die GPSR? Die General Product Safety Regulation (EU) 2023/988 ist die neue EU-Verordnung zur allgemeinen Produktsicherheit, die seit Dezember 2024 gilt und erweiterte Anforderungen an den Online-Handel stellt.

Welche Rolle spielt die CE-Kennzeichnung? Die CE-Kennzeichnung ist ein sichtbarer Nachweis der Konformität mit EU-Richtlinien und für viele Produktkategorien verpflichtend.

Was passiert bei Verstößen? Verkaufsverbote, Produktrückrufe, Bußgelder und im schlimmsten Fall strafrechtliche Konsequenzen. Amazon kann zudem Listings sperren.

Wie funktioniert die Marktüberwachung? Behörden der Bundesländer führen Stichprobenkontrollen durch, prüfen Dokumentation und CE-Kennzeichnung und arbeiten mit dem EU-Schnellwarnsystem RAPEX zusammen.


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