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Product Compliance

LFGB Zertifikat: Lebensmittelsicherheit in Deutschland

Das LFGB-Zertifikat ist ein wichtiger Rahmen für Lebensmittelsicherheit, der Produkte mit Lebensmittelkontakt und Lebensmittelsicherheitsstandards reguliert.

·16 min Lesezeit

LFGB Zertifikat: Lebensmittelsicherheit in Deutschland

Was ist das LFGB?

Das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) ist das zentrale deutsche Gesetz zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit. Es reguliert nicht nur Lebensmittel selbst, sondern auch alle Produkte, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen — sogenannte Bedarfsgegenstände. Das Gesetz trat 2005 in Kraft und vereint elf zuvor separate Gesetze.

Für Amazon-Seller ist das LFGB besonders relevant, wenn sie Küchenartikel, Geschirr, Verpackungsmaterialien, Spielzeug oder Kosmetikprodukte vertreiben. Alle diese Produkte müssen nachweislich sicher sein und dürfen keine gesundheitsschädlichen Stoffe an Lebensmittel oder den menschlichen Körper abgeben.

Grundlagen der Lebensmittelsicherheit

Rechtlicher Rahmen

Das LFGB setzt die EU-Verordnung 178/2002 (Basisverordnung Lebensmittelrecht) in deutsches Recht um. Ergänzend gelten:

  • EU-Verordnung 1935/2004: Regelungen für Materialien und Gegenstände, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen
  • Bedarfsgegenständeverordnung (BedGgstV): Nationale Durchführungsverordnung mit konkreten Grenzwerten
  • EU-Verordnung 10/2011: Spezifische Anforderungen an Kunststoffe im Lebensmittelkontakt
  • LMIV (EU-Verordnung 1169/2011): Lebensmittelinformationsverordnung mit Kennzeichnungspflichten

Bedeutung für Verbraucher und Unternehmen

Das LFGB schützt Verbraucher, indem es sicherstellt, dass Produkte im Lebensmittelkontakt keine schädlichen Stoffe freisetzen. Für Unternehmen bedeutet es: Wer die Anforderungen nicht einhält, riskiert Bußgelder bis zu 50.000 EUR, Produktrückrufe und strafrechtliche Konsequenzen.

Gibt es ein offizielles LFGB-Zertifikat?

Ein formelles „LFGB-Zertifikat" als solches existiert nicht. Was umgangssprachlich als LFGB-Zertifikat bezeichnet wird, ist in der Regel:

  • Eine Konformitätserklärung des Herstellers oder Importeurs, die die Einhaltung der Vorschriften bestätigt
  • Ein Prüfbericht eines akkreditierten Labors, der die Unbedenklichkeit des Produkts nachweist

Beide Dokumente zusammen bilden den Nachweis der LFGB-Konformität. Die Konformitätserklärung muss in deutscher Sprache vorliegen.

Betroffene Produktkategorien

KategorieBeispieleTypische Prüfungen
KüchenutensilienPfannen, Wasserkocher, Besteck, SchneidebretterMigration, Schwermetalle
Geschirr und BehälterTeller, Schüsseln, Trinkflaschen, DosenMigration, Formaldehyd
LebensmittelverpackungPlastikfolien, Papiertüten, AluschalenGesamtmigration, spezifische Migration
Spielzeug (mit Mundkontakt)Beißringe, Schnuller, RasselnEN 71, LFGB, REACH
Textilien (Hautkontakt)Kleidung, Bettwäsche, HandtücherAzo-Farbstoffe, pH-Wert
KosmetikaCremes, Lotionen, LippenstifteInhaltsstoffe, Stabilität

Prüfverfahren und Qualitätskontrolle

Akkreditierte Prüflabore

Die LFGB-Prüfung muss durch akkreditierte Labore erfolgen. Bekannte Prüfdienstleister sind:

  • TÜV Rheinland und TÜV SÜD
  • SGS (Societe Generale de Surveillance)
  • Bureau Veritas
  • Eurofins
  • Spezialisierte Labore in China (z. B. für Importeure mit asiatischen Lieferanten)

Typische Prüfmethoden

Die Prüfung umfasst je nach Produktart verschiedene Verfahren:

  • Migrationstests: Messung der Stoffübertragung vom Produkt in simulierte Lebensmittel (unter definierten Temperatur- und Zeitbedingungen)
  • Schwermetallanalyse: Prüfung auf Blei, Cadmium und andere toxische Metalle
  • Sensorische Prüfung: Geruchs- und Geschmacksveränderungen
  • Formaldehydtest: Besonders bei Melamin- und Bambus-Produkten
  • BPA-Test: Bisphenol A in Kunststoffen

Prüfanforderungen nach Produkttyp

ProduktkategorieErforderliche Prüfungen
SpielzeugCE EN 71, LFGB, REACH
ElektrogeräteCE-LVD, CE-EMC, CE-RoHS
FunkanlagenCE-RED
LebensmittelkontaktmaterialLFGB, REACH, EU 10/2011
TextilienREACH, POPs-Verordnung

Konformitätserklärung und Dokumentation

Inhalt der Konformitätserklärung

Die Konformitätserklärung muss folgende Angaben enthalten:

  • Produktbezeichnung und eindeutige Identifikation
  • Name und Anschrift des Herstellers bzw. Importeurs
  • Auflistung der angewandten Vorschriften und Normen
  • Verweis auf die zugrunde liegenden Prüfberichte
  • Datum und Unterschrift des Verantwortlichen

Aufbewahrungspflichten

DokumentAufbewahrungsdauer
KonformitätserklärungMindestens 10 Jahre
Prüfberichte und LaboranalysenMindestens 10 Jahre
Technische DokumentationMindestens 10 Jahre
RisikobeurteilungMindestens 10 Jahre

Pflichten für Importeure und Händler

Importeur-Verantwortung

Importeure tragen die gleiche Verantwortung wie Hersteller. Das bedeutet:

  • Prüfung, ob das Produkt alle relevanten Vorschriften erfüllt
  • Beschaffung von Prüfberichten und Konformitätserklärungen
  • Sicherstellung der korrekten Kennzeichnung in deutscher Sprache
  • Sorgfältige Lieferantenauswahl und -überwachung

Händlerpflichten

Auch Händler (einschließlich Amazon-Seller) müssen:

  • Prüfen, ob die Produkte die gesetzlichen Anforderungen erfüllen
  • Alle erforderlichen Informationen vor Vertragsschluss bereitstellen (besonders wichtig im Onlinehandel)
  • Bei Kenntnis von Mängeln die Behörden informieren

Haftungsrisiken

  • Bußgelder bis zu 50.000 EUR bei Ordnungswidrigkeiten
  • Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahre bei fahrlässigen Verstößen
  • Produktrückruf mit erheblichen Folgekosten
  • Listing-Sperrung auf Amazon und anderen Plattformen

Kennzeichnungspflichten

Produkte, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, müssen klar gekennzeichnet sein:

  • Glas-Gabel-Symbol oder der Hinweis „Für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet"
  • Bei nicht offensichtlicher Verwendung: eindeutige Hinweise zur bestimmungsgemäßen Nutzung
  • Temperatur- und Anwendungshinweise (z. B. „Nicht für Mikrowelle geeignet")
  • Alle Angaben in deutscher Sprache, lesbar und dauerhaft

Behördliche Überwachung

Zuständige Behörden

Die Lebensmittelüberwachung in Deutschland ist Ländersache. In jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt gibt es Überwachungsbehörden. Bundesweit koordiniert das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Maßnahmen.

Kontrollmechanismen

  • Betriebskontrollen: Regelmäßige Überprüfung der Einhaltung von Vorschriften
  • Probennahme: Planproben, Verdachtsproben und Beschwerdeproben
  • Monitoring-Programme: Systematische Überwachung bestimmter Stoffgruppen
  • RAPEX-Meldungen: EU-weites Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte

Durchsetzungsmaßnahmen

Bei Verstößen können die Behörden anordnen:

  • Verkaufsverbote für betroffene Produkte
  • Zwangsrückrufe
  • Vernichtung nicht konformer Waren
  • Bußgelder und strafrechtliche Verfolgung

Praxistipps für Amazon-Seller

Vor dem Import

  1. Produkt identifizieren: Fällt das Produkt unter das LFGB?
  2. Lieferant prüfen: Hat der Lieferant bereits Prüfberichte? Sind diese aktuell?
  3. Labor beauftragen: Bei Bedarf eigene Prüfungen bei einem akkreditierten Labor durchführen lassen
  4. Konformitätserklärung erstellen: In deutscher Sprache mit allen erforderlichen Angaben

Laufender Betrieb

  • Regelmäßige Re-Tests: Besonders bei Produktionsänderungen oder neuen Chargen
  • Dokumentation pflegen: Alle Nachweise zentral und zugänglich aufbewahren
  • Marktveränderungen beobachten: Neue Grenzwerte oder Verbote frühzeitig beachten
  • Amazon-Anforderungen: Compliance-Dokumente bereithalten, falls Amazon sie anfordert

FAQ

Was ist das LFGB? Das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch ist das zentrale deutsche Gesetz zur Lebensmittelsicherheit. Es regelt auch die Anforderungen an Produkte, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.

Gibt es ein offizielles LFGB-Zertifikat? Nein. Was umgangssprachlich als LFGB-Zertifikat bezeichnet wird, ist eine Kombination aus Konformitätserklärung und Prüfbericht eines akkreditierten Labors.

Was sind Bedarfsgegenstände? Produkte, die mit Lebensmitteln oder dem menschlichen Körper in Kontakt kommen: Geschirr, Besteck, Verpackungen, Spielzeug und Kosmetika.

Welche Prüfungen sind erforderlich? Migrationstests, Schwermetallanalysen, sensorische Prüfungen und materialspezifische Tests — durchgeführt von akkreditierten Laboren.

Welche Pflichten haben Importeure? Importeure tragen die gleiche Verantwortung wie Hersteller: Prüfberichte beschaffen, Konformitätserklärung erstellen und korrekte Kennzeichnung sicherstellen.

Was droht bei Verstößen? Bußgelder bis 50.000 EUR, Freiheitsstrafe bis 2 Jahre bei Fahrlässigkeit, Produktrückrufe und Listing-Sperrungen.

Wie überwachen Behörden die Einhaltung? Durch Betriebskontrollen, Probennahmen, Monitoring-Programme und das EU-Schnellwarnsystem RAPEX.


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