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Product Compliance

Produktkennzeichnung 2026: Pflichten, Normen & Checkliste

Pflichtangaben, EU-Richtlinien & ProdSG: Alles zur Produktkennzeichnung für Amazon-Seller in 2026 — vom GS-Zeichen bis zur CE-Kennzeichnung.

Vom SPACEGOATS Team10 min Lesezeit

Produktkennzeichnung: Wichtige Tipps & Normen

Kurzüberblick

Jedes in der EU verkaufte Produkt braucht mindestens Herstellerangaben, eine eindeutige Produktbezeichnung und eine Modell-/Typennummer zur Rückverfolgbarkeit — je nach Kategorie kommen CE-Kennzeichnung, Warnhinweise und produktspezifische Angaben (WEEE-Symbol, Textil-Faserzusammensetzung, INCI-Liste bei Kosmetik) hinzu. Seit Dezember 2024 verschärft die GPSR die Anforderungen für Online-Händler zusätzlich: Eine in der EU ansässige verantwortliche Person muss benannt und im Listing sichtbar sein. Alle sicherheitsrelevanten Angaben müssen in deutscher Sprache vorliegen — Kennzeichnung nur auf Englisch oder Chinesisch ist einer der häufigsten Beanstandungsgründe bei Amazon. Wer die Anforderungen nicht erfüllt, riskiert Listing-Sperrungen, Bußgelder und Rückrufe. Dieser Leitfaden liefert eine vollständige Checkliste sowie die produktspezifischen Kennzeichnungspflichten.

Warum ist die Produktkennzeichnung so wichtig?

Die korrekte Produktkennzeichnung ist eine gesetzliche Pflicht für alle Hersteller, Importeure und Händler, die Produkte auf dem europäischen Markt vertreiben. Sie dient dem Verbraucherschutz, der Produktrückverfolgbarkeit und der Markttransparenz.

Für Amazon-Seller ist die Kennzeichnung besonders kritisch: Fehlende oder fehlerhafte Angaben auf dem Produkt können zu Listing-Sperrungen, Bußgeldern und Rückrufaktionen führen. Amazon selbst prüft zunehmend, ob Produkte die gesetzlichen Kennzeichnungsanforderungen erfüllen.

Grundlagen der Produktkennzeichnung

Rechtliche Basis

Die Produktkennzeichnung in der EU basiert auf mehreren Regelwerken:

  • Produktsicherheitsgesetz (ProdSG): Allgemeine Anforderungen an die Sicherheitskennzeichnung
  • GPSR (EU) 2023/988: Erweiterte Anforderungen an die Produktkennzeichnung, insbesondere im Online-Handel (seit Dezember 2024)
  • Produktspezifische EU-Richtlinien: Zusätzliche Anforderungen je nach Produktkategorie (Spielzeugrichtlinie, Niederspannungsrichtlinie etc.)
  • Verpackungsgesetz (VerpackG): Kennzeichnung und Registrierung von Verpackungen
  • Textilkennzeichnungsverordnung: Spezifische Anforderungen für Textilprodukte

Vier Kernprinzipien

Jede Produktkennzeichnung muss diesen Grundsätzen folgen:

  1. Produktsicherheit: Alle sicherheitsrelevanten Informationen müssen angegeben sein
  2. Verständlichkeit: Klare, eindeutige Formulierungen in der Landessprache
  3. Vollständigkeit: Alle gesetzlich vorgeschriebenen Angaben müssen enthalten sein
  4. Lesbarkeit: Ausreichende Schriftgröße, Kontrast und dauerhafte Anbringung

Pflichtangaben auf Produkten

Allgemeine Kennzeichnungspflichten

Folgende Angaben sind für die meisten Verbraucherprodukte in der EU vorgeschrieben:

AngabeBeschreibungRechtsgrundlage
Herstellername/-anschriftVollständige Kontaktdaten des HerstellersProdSG, GPSR
Importeur-AngabenName und Anschrift des EU-ImporteursProdSG, GPSR
ProduktbezeichnungEindeutige Identifikation des ProduktsProdSG
Modell-/TypennummerZur RückverfolgbarkeitProdSG, GPSR
Herkunftsland„Made in..." AngabeEU-Zollrecht, GPSR
CE-KennzeichnungKonformitätsnachweis (sofern erforderlich)Produktspezifische Richtlinien
WarnhinweiseSicherheitsrelevante InformationenProdSG, Produktrichtlinien

Produktspezifische Kennzeichnung

Je nach Produktkategorie gelten zusätzliche Anforderungen:

Elektronik und Elektrogeräte:

  • CE-Kennzeichnung mit Angabe der angewandten Richtlinien
  • WEEE-Symbol (durchgestrichene Mülltonne) für Elektroaltgeräte
  • Nennspannung und Leistungsaufnahme
  • Energieeffizienzlabel (bei relevanten Gerätetypen)

Spielzeug:

  • CE-Kennzeichnung
  • Altersempfehlung und Warnhinweise (z. B. „Nicht für Kinder unter 3 Jahren")
  • Chargennummer zur Rückverfolgbarkeit

Textilien:

  • Faserzusammensetzung in Prozent
  • Pflegesymbole
  • Herstellerangaben
  • Größenangaben

Kosmetik:

  • INCI-Liste (Inhaltsstoffe)
  • Mindesthaltbarkeitsdatum oder PAO-Symbol
  • Chargen-/Losnummer
  • Nenninhalt

Verantwortlichkeiten in der Lieferkette

Hersteller

Der Hersteller ist primär verantwortlich für die korrekte Kennzeichnung. Er muss:

  • Alle gesetzlich vorgeschriebenen Informationen auf dem Produkt anbringen
  • Die Gebrauchsanleitung in der Sprache des Zielmarkts bereitstellen
  • Sicherstellen, dass Warnhinweise gut sichtbar und verständlich sind
  • Die CE-Kennzeichnung korrekt anbringen (sofern erforderlich)

Importeure

Importeure haben besondere Pflichten:

  • Eigene Angaben: Name und Anschrift des Importeurs müssen zusätzlich zum Hersteller auf dem Produkt erscheinen
  • Sprachprüfung: Sicherstellen, dass alle Angaben in der Landessprache vorliegen
  • Vollständigkeitsprüfung: Kontrollieren, ob alle Pflichtangaben vorhanden sind
  • Nachkennzeichnung: Bei fehlenden Angaben eigenverantwortlich ergänzen

Händler

Auch Online-Händler und Amazon-Seller müssen:

  • Vor dem Verkauf prüfen, ob die Kennzeichnung vollständig ist
  • Keine falsch oder unvollständig gekennzeichneten Produkte vertreiben
  • Im Online-Listing alle wesentlichen Produktinformationen bereitstellen

CE-Kennzeichnung: Der richtige Ablauf

Die CE-Kennzeichnung ist für viele Produktkategorien der wichtigste Konformitätsnachweis. Der korrekte Ablauf umfasst:

  1. Anwendbare EU-Richtlinien identifizieren — welche Richtlinien gelten für das Produkt?
  2. Harmonisierte Normen prüfen — welche technischen Standards sind relevant?
  3. Konformitätsbewertung durchführen — Prüfung, ob das Produkt die Anforderungen erfüllt
  4. Technische Dokumentation erstellen — lückenlose Dokumentation aller Nachweise
  5. EU-Konformitätserklärung ausstellen — rechtsverbindliche Herstellererklärung
  6. CE-Zeichen anbringen — sichtbar, lesbar, dauerhaft (mind. 5 mm Höhe)

Kennzeichnung im Online-Handel

Besondere Anforderungen durch die GPSR

Seit Dezember 2024 stellt die General Product Safety Regulation (GPSR) erweiterte Anforderungen an den Online-Handel:

  • Verantwortliche Person in der EU: Für alle Produkte muss eine in der EU ansässige verantwortliche Person benannt sein
  • Kontaktdaten im Listing: Hersteller-, Importeur- und verantwortliche Person müssen im Online-Angebot genannt werden
  • Produktbild mit Kennzeichnung: Produktfotos sollten die korrekte Kennzeichnung zeigen
  • Warnhinweise im Listing: Sicherheitsrelevante Informationen müssen vor dem Kauf sichtbar sein

Amazon-spezifische Anforderungen

Amazon verlangt zunehmend:

  • Compliance-Dokumente (Konformitätserklärung, Prüfberichte) bei bestimmten Produktkategorien
  • Korrekte Angabe von Warnhinweisen in den Produktattributen
  • Nachweis der CE-Kennzeichnung bei entsprechenden Produkten
  • Angabe des Responsible Person (verantwortliche Person in der EU)

Praxistipps für Amazon-Seller

Kennzeichnungs-Checkliste

  • Herstellername und -anschrift auf dem Produkt?
  • Importeur-Angaben auf dem Produkt (falls zutreffend)?
  • Modell- oder Typennummer zur Rückverfolgbarkeit?
  • CE-Kennzeichnung korrekt angebracht (falls erforderlich)?
  • Warnhinweise in deutscher Sprache?
  • Gebrauchsanleitung in deutscher Sprache beigelegt?
  • Produktspezifische Kennzeichnung vollständig (WEEE, Textil, Kosmetik etc.)?
  • Alle Pflichtangaben auch im Amazon-Listing vorhanden?

Häufige Fehler

  • Kennzeichnung nur in Englisch oder Chinesisch — deutsche Sprache ist Pflicht
  • CE-Zeichen kopiert, ohne Konformitätsbewertung durchzuführen
  • Importeur-Angaben fehlen auf dem Produkt
  • Warnhinweise zu klein oder nicht dauerhaft angebracht
  • Gebrauchsanleitung fehlt oder ist unverständlich

Zukunftstrends

Digitale Produktkennzeichnung

Die EU arbeitet an einem Digitalen Produktpass (DPP), der schrittweise eingeführt wird. Dieser QR-Code-basierte Ansatz soll:

  • Alle relevanten Produktinformationen digital zugänglich machen
  • Die Rückverfolgbarkeit verbessern
  • Nachhaltigkeitsinformationen transportieren
  • Verbrauchern und Behörden schnellen Zugang zu Compliance-Daten ermöglichen

Industrie 4.0 und Kennzeichnung

Automatisierte Kennzeichnungssysteme und intelligente Etikettierung werden zunehmend wichtiger. Sie verbessern die Effizienz und reduzieren Fehler im Kennzeichnungsprozess.

SPACEGOATS-Einschätzung: In der Beratungspraxis ist die häufigste Beanstandungsursache nicht eine komplett fehlende Kennzeichnung, sondern eine Kennzeichnung, die nur auf dem Produktfoto in einer alten Version zu sehen ist, während die tatsächlich versendete Ware bereits aktualisiert wurde — oder umgekehrt. Amazon und Marktüberwachungsbehörden gleichen zunehmend das im Listing gezeigte Etikett mit dem physischen Produkt ab. Aktualisieren Sie deshalb Produktfotos und physische Kennzeichnung immer gemeinsam, nie nacheinander.

FAQ

Welche Pflichtangaben muss jedes Produkt in der EU tragen? Mindestens Herstellername und -anschrift, Produktbezeichnung, Modell-/Typennummer zur Rückverfolgbarkeit und ggf. Importeur-Angaben. Je nach Produktkategorie kommen CE-Kennzeichnung, Warnhinweise und produktspezifische Angaben (z. B. Faserzusammensetzung bei Textilien) hinzu.

Muss die Kennzeichnung zwingend auf Deutsch sein? Ja, für den deutschen Markt müssen Warnhinweise, Gebrauchsanleitung und alle sicherheitsrelevanten Angaben in deutscher Sprache vorliegen. Englische oder chinesische Kennzeichnung allein reicht nicht aus und ist einer der häufigsten Beanstandungsgründe.

Was verlangt die GPSR zusätzlich von Online-Händlern? Seit Dezember 2024 muss für praktisch jedes Verbraucherprodukt eine in der EU ansässige verantwortliche Person benannt werden, deren Kontaktdaten im Online-Listing erscheinen müssen. Zusätzlich sollen Warnhinweise bereits vor dem Kauf sichtbar sein, nicht erst nach Erhalt der Ware.

Reicht es, das CE-Zeichen des Lieferanten zu übernehmen? Nein. Ein kopiertes CE-Zeichen ohne eigene Konformitätsbewertung ist einer der häufigsten Fehler und schützt nicht vor Haftung — der Importeur muss selbst prüfen, ob die Konformitätsbewertung korrekt durchgeführt wurde.

Was ist der Digitale Produktpass (DPP)? Ein von der EU geplanter, QR-Code-basierter digitaler Nachweis, der Produktinformationen, Nachhaltigkeitsdaten und Compliance-Nachweise für Verbraucher und Behörden zugänglich machen soll. Er wird schrittweise für verschiedene Produktkategorien eingeführt.

Welche Konsequenzen drohen bei fehlender oder fehlerhafter Kennzeichnung? Amazon kann betroffene Listings sperren, zusätzlich drohen behördliche Bußgelder und im schlimmsten Fall ein Eintrag im RAPEX-Schnellwarnsystem. Bei sicherheitsrelevanten Mängeln sind auch Produktrückrufe möglich.


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