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ERP

Enterprise Resource Planning — das zentrale Warenwirtschafts- und Buchhaltungssystem

Begriffe, Metriken und Prozesse rund um Amazon Seller, Vendor und Marketplace.

Vom SPACEGOATS TeamZuletzt geprüft: April 2026

Definition

Ein ERP-System bildet die betriebswirtschaftlichen Kernprozesse eines Unternehmens in einer gemeinsamen Datenbasis ab: Artikel- und Kundenstammdaten, Einkauf, Lagerbestände, Auftragsabwicklung, Versand, Rechnungsstellung und Finanzbuchhaltung. Der Zweck ist, dass alle Abteilungen auf denselben Datenstand schauen, statt Insellösungen zu pflegen. Im E-Commerce übernimmt das ERP zusätzlich die Rolle der zentralen Wahrheit über Bestände und Preise, aus der sämtliche Verkaufskanäle beliefert werden. Abzugrenzen ist es von EDI: Das ERP ist das System, in dem die Daten liegen; EDI ist das Verfahren, mit dem sie standardisiert das Haus verlassen.

Warum ist das wichtig?

Sobald mehr als ein Verkaufskanal bedient wird, entscheidet die ERP-Anbindung über die Skalierbarkeit des Geschäfts. Ohne Anbindung werden Bestände in mehreren Systemen parallel gepflegt, was zu Überverkäufen und Stornoquoten führt — bei Amazon ein direkter Risikofaktor für die Account-Gesundheit. Mit Anbindung ist der Bestand an einer Stelle gepflegt und wird nach außen verteilt. Der zweite Hebel ist die Auftragsseite: Bestellungen, die automatisch im ERP landen, brauchen keine Erfassung, und Verkaufsdaten, die zurückfließen, machen Nachschubplanung und Buchhaltung ohne Exportdateien möglich.

So funktioniert es

Für die Anbindung an Amazon gibt es je nach Modell unterschiedliche Wege. Im Vendor-Modell (1P) läuft sie über EDI: Amazon sendet Bestellungen als ORDERS beziehungsweise X12-850, der Lieferant antwortet mit ORDRSP, DESADV und INVOIC. Im Seller-Modell (3P) gibt es kein EDI — hier greift die SP-API, entweder über eine native Schnittstelle des ERP, über einen Middleware-Anbieter oder über eine Eigenentwicklung. Ein dritter Weg ist das Broker- beziehungsweise Merchant-of-Record-Modell: Ein Partner tritt als Verkäufer auf und übernimmt die Amazon-Seite, das ERP des Herstellers bedient dann nur noch eine Schnittstelle statt der Anforderungen jedes einzelnen Marktplatzes. Welcher Weg passt, hängt weniger von der Technik ab als davon, wer die Marktplatz-Prozesse dauerhaft betreiben kann.

Praxis-Beispiele

• Ein Hersteller pflegt Bestände in JTL und lässt sie über eine SP-API-Anbindung an Seller Central verteilen; Bestellungen kommen automatisch als Aufträge zurück. • Ein Vendor empfängt Amazon-Bestellungen per EDIFACT direkt in SAP und erzeugt DESADV und INVOIC aus demselben System. • Ein Mittelständler ohne IT-Kapazität für Marktplatz-Prozesse gibt den Amazon-Kanal an einen Broker und liefert nur noch Artikeldaten und Bestände über eine Schnittstelle. • Achtung bei der Begriffsgleichheit: Wer im Compliance-Kontext auf „ERP" stößt, liest dort über Extended Producer Responsibility — etwa Verpackungs- oder Elektrogeräteregistrierung — und nicht über Warenwirtschaft.

Typische Fehler

• **ERP mit EDI gleichsetzen:** Ein ERP kann EDI-fähig sein, ist aber nicht selbst EDI. Die Anbindung an einen konkreten Partner entsteht erst durch Mapping und Transportweg. • **Bestandsführung doppelt:** Sobald Bestände in zwei Systemen gepflegt werden, ist die Frage nicht ob, sondern wann überverkauft wird. • **„Amazon-Schnittstelle vorhanden" ungeprüft glauben:** Der Funktionsumfang solcher Anbindungen ist sehr unterschiedlich. Entscheidend ist, welche Vorgänge tatsächlich unterstützt werden — Bestände, Preise, Bestellungen, Retouren, Erstattungen — und nicht die Existenz eines Konnektors. • **Stammdatenqualität unterschätzen:** GTIN, Verpackungseinheiten und Maße müssen vor der Anbindung stimmen. Jede Anbindung vervielfacht bestehende Stammdatenfehler, statt sie zu heilen.

Häufige Fragen

Wofür steht ERP?+

ERP steht für Enterprise Resource Planning und bezeichnet das zentrale System zur Steuerung der betriebswirtschaftlichen Kernprozesse — Artikel, Bestände, Aufträge, Einkauf, Versand und Buchhaltung in einer gemeinsamen Datenbasis. Im Compliance-Bereich steht dieselbe Abkürzung für Extended Producer Responsibility und meint etwas völlig anderes.

Was ist der Unterschied zwischen ERP und EDI?+

Das ERP ist das System, in dem die Geschäftsdaten geführt werden. EDI ist das Verfahren, mit dem Belege standardisiert zwischen zwei Unternehmen ausgetauscht werden. Das eine ersetzt das andere nicht: EDI holt sich die Daten aus dem ERP und liefert eingehende Belege dorthin zurück.

Wie binde ich mein ERP an Amazon an?+

Das hängt vom Verkaufsmodell ab. Im Vendor-Modell (1P) läuft die Anbindung über EDI mit den Nachrichten ORDERS, ORDRSP, DESADV und INVOIC. Im Seller-Modell (3P) über die SP-API — per nativer ERP-Schnittstelle, Middleware oder Eigenentwicklung. Alternativ übernimmt im Broker- beziehungsweise Merchant-of-Record-Modell ein Partner die Amazon-Seite, sodass das ERP nur eine Schnittstelle bedienen muss.

Welches ERP eignet sich für Amazon?+

Es gibt kein pauschal bestes System. Entscheidend ist nicht, ob ein Konnektor existiert, sondern welche Vorgänge er tatsächlich abdeckt — Bestände, Preise, Bestellungen, Retouren, Erstattungen, Mehrwertsteuer über mehrere Länder — und ob im Haus jemand die Marktplatz-Prozesse dauerhaft betreuen kann. Wer beides nicht abdecken kann, fährt mit einem Partner-Modell oft besser als mit einer weiteren Softwarelizenz.