Die Beschaffung zuverlässiger Lieferanten ist eine der größten Herausforderungen für Amazon-Seller – besonders, wenn du dein Business skalieren willst. Während viele sofort an Alibaba denken, gibt es eine oft übersehene Alternative direkt vor der Haustür: Wer liefert was (wlw), Deutschlands führender B2B-Marktplatz.
Was ist WLW?
Wer liefert was – kurz wlw – ist der meistbesuchte B2B-Marktplatz im deutschsprachigen Raum. Die Plattform verbindet monatlich über 400.000 Einkäufer mit rund 620.000 Lieferanten, Herstellern und Großhändlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seit der Gründung 1932 hat sich wlw von einem gedruckten Katalog zu einer digitalen Beschaffungsplattform entwickelt.
Im November 2023 wurde wlw von der Alibaba Group übernommen und ist heute Teil der Visable GmbH – gemeinsam mit der europäischen Schwesterplattform europages.
Warum wlw für Amazon-Seller interessant ist
1. Lokale Lieferanten mit kurzen Lieferketten
Statt monatelanger Wartezeiten aus Asien bekommst du bei deutschen Lieferanten oft innerhalb weniger Tage oder Wochen deine Ware. Das bedeutet:
- Schnellere Reaktion auf Marktveränderungen
- Geringeres Risiko bei Produkttests
- Flexiblere Nachbestellungen
- Bessere Qualitätskontrolle
2. Qualität “Made in Germany” oder “Made in Europe”
Viele Kunden suchen gezielt nach Produkten mit europäischer Herkunft. Mit wlw kannst du:
- “Made in Germany” als USP nutzen
- Strengere EU-Qualitätsstandards garantieren
- Compliance-Risiken minimieren
- Premium-Positioning aufbauen
3. Kleinere Mindestbestellmengen
Während chinesische Hersteller oft Mindestabnahmen von mehreren tausend Stück verlangen, sind deutsche Lieferanten häufig flexibler. Das ist perfekt für:
- Produkttests vor dem großen Launch
- Saisonale Produkte
- Nischen mit kleineren Volumina
- Bootstrapping ohne großes Startkapital
4. Direkte Kommunikation ohne Sprachbarriere
Kein Google Translate, keine Zeitverschiebung, keine kulturellen Missverständnisse. Du sprichst direkt mit Entscheidungsträgern in deiner Sprache.
So nutzt du wlw effektiv für dein Amazon-Business
Schritt 1: Die richtige Suche starten
Die Suchfunktion von wlw ist auf B2B-Bedürfnisse optimiert. Hier einige Tipps:
Sei spezifisch: Statt “Schrauben” suche nach “Edelstahlschrauben M6” oder “Holzschrauben Torx”.
Nutze Filter clever: Schränke deine Suche ein nach:
- Standort (für kürzere Lieferwege)
- Lieferantentyp (Hersteller vs. Händler)
- Unternehmensgröße (zeigt Kapazität)
- Zertifizierungen (ISO-Standards etc.)
Produkt vs. Anbieter: wlw unterscheidet zwischen Anbieter-Suche und Produkt-Suche. Nutze beide, um verschiedene Perspektiven zu bekommen.
Schritt 2: Profile richtig bewerten
Wenn du potenzielle Lieferanten gefunden hast, achte auf:
- Antwortzeit: Bewege den Mauszeiger über das Nachrichtensymbol – die durchschnittliche Antwortzeit zeigt, wie reaktionsschnell der Lieferant ist
- Verifizierter Status: Geprüfte Profile sind vertrauenswürdiger
- Portfolio-Tiefe: Ein breites Produktsortiment kann später Synergien schaffen
- Liefergebiet: Prüfe, ob internationale Lieferung möglich ist (wichtig für FBA-Lager in anderen Ländern)
Schritt 3: Professioneller Erstkontakt
Deine erste Anfrage entscheidet oft über die Qualität der Antwort. Strukturiere sie so:
Stell dich professionell vor:
- Firmenname und Rechtsform
- Kurze Beschreibung deines Business-Modells
- Vertriebskanäle (z.B. “Amazon FBA Deutschland + EU”)
Konkrete Produktanfrage:
- Genaue Produktspezifikationen
- Geplante Abnahmemenge (auch wenn du klein startest, zeige Wachstumspotenzial)
- Lieferziel (z.B. “direkt zu Amazon-Fulfillment-Center”)
- Zeitrahmen
Professionelle Anforderungen:
- Zertifizierungen (CE, RoHS, etc.)
- White-Label / Private-Label Möglichkeiten
- Verpackungsoptionen
- Preisstruktur ab verschiedenen MOQs
Schritt 4: Die wlw-Connect-Funktion nutzen
Wenn du nicht selbst suchen willst, nutze wlw Connect:
- Beschreibe kostenlos und anonym deinen Bedarf
- wlw vermittelt dich an passende Lieferanten
- Du erhältst innerhalb weniger Tage eine Liste interessierter Anbieter
- Spart Zeit und erhöht die Trefferquote
Kombiniere wlw mit Amazon Business
Clevere Seller nutzen beide Welten:
wlw für:
- Haupt-Lieferanten und Produktionspartner
- Custom-Produkte und Eigenmarken
- Langfristige Geschäftsbeziehungen
- Komplexe oder erklärungsbedürftige Produkte
Amazon Business für:
- Schnelle Nachbestellungen von Verbrauchsmaterial
- Standardprodukte fürs eigene Business
- Verpackungsmaterial und Fulfillment-Zubehör
- B2B-Vertrieb parallel zum B2C
Realistische Erwartungen: Was wlw (nicht) leistet
Was wlw gut kann:
✓ Qualifizierte B2B-Kontakte herstellen ✓ Schnelle Kommunikation mit deutschen Lieferanten ✓ Transparente Unternehmensprofile ✓ Filterfunktionen für präzise Suche ✓ Mobile App für Recherche unterwegs
Was wlw nicht ist:
✗ Kein Transaktions-Marktplatz (Verhandlung läuft außerhalb) ✗ Nicht immer die günstigsten Preise (Qualität hat ihren Preis) ✗ Keine Garantie für kleine MOQs ✗ Nicht alle Branchen gleich stark vertreten
Die Kosten: Was kommt auf dich zu?
Als Einkäufer: Die Nutzung von wlw ist komplett kostenfrei. Du zahlst nur für die Produkte, die du bei Lieferanten bestellst.
Als Verkäufer (falls du selbst Produkte anbietest): Basis-Profile sind kostenlos, Premium-Pakete für bessere Sichtbarkeit starten bei etwa 500€ pro Halbjahr. Für die meisten Amazon-Seller ist das aber nicht relevant.
Praxistipp: So verhandelst du bessere Konditionen
Deutsche Lieferanten sind oft skeptisch gegenüber kleinen Online-Händlern. So überzeugst du sie trotzdem:
- Professioneller Auftritt: Eigene Domain, professionelle E-Mail, vollständiges Impressum
- Wachstumspotenzial zeigen: “Wir starten mit 500 Stück, planen aber bei Erfolg auf 2.000/Monat zu skalieren”
- Langfristige Partnerschaft betonen: Deutsche Mittelständler schätzen Verlässlichkeit
- Flexible Zahlungsbedingungen anbieten: Vorkasse kann bessere Konditionen bringen
- Referenzen liefern: Zeige erfolgreiche Produktlaunches, Amazon-Bewertungen, Umsatzzahlen
Alternative B2B-Plattformen im Vergleich
europages: Schwesterplattform von wlw mit Fokus auf ganz Europa (21 Sprachen)
Lieferanten.de: Kleiner als wlw, teilweise überlappend
Alibaba: Für internationale Beschaffung nach wie vor relevant, aber mit längeren Lieferzeiten
Amazon Business: Eher für fertige Produkte als für Produktionspartner
Häufige Fehler bei der Nutzung von wlw
❌ Zu unspezifische Anfragen: “Suche Produkt X” reicht nicht – liefere Details!
❌ Keine Mengenangaben: Lieferanten können ohne MOQ-Info kaum seriös kalkulieren
❌ Unprofessionelles Auftreten: Privatmail-Adresse und fehlende Gewerbeanmeldung wirken unseriös
❌ Zu hohe Preiserwartungen: Deutsche Produktion ist teurer als China – das ist OK, wenn die Qualität stimmt
❌ Nur eine Anfrage stellen: Sprich immer mit 3-5 Lieferanten parallel
Fazit: Wann lohnt sich wlw für dein Amazon-Business?
wlw ist besonders sinnvoll, wenn du:
- Premium-Produkte mit “Made in Germany” positionieren willst
- Schnelle Lieferketten brauchst
- Kleinere Testmengen produzieren möchtest
- Komplexe Produkte erklärungsbedürftig sind
- Wert auf persönlichen Kontakt legst
- EU-Compliance vereinfachen willst
wlw ist weniger geeignet, wenn:
- Dein einziges Kriterium der niedrigste Preis ist
- Du Massenware in riesigen Volumina brauchst
- Dein Produkt extrem preisspezifisch ist
Nächste Schritte
Bereit, wlw für deine Lieferantensuche zu nutzen? So startest du:
- Registriere dich kostenlos auf wlw.de
- Definiere deine Produktanforderungen präzise
- Starte mit einer gezielten Suche oder nutze wlw Connect
- Kontaktiere 3-5 potenzielle Lieferanten parallel
- Vergleiche Angebote nicht nur nach Preis, sondern auch nach Qualität und Service
- Starte mit einer Testbestellung bevor du große Volumina orderst
Die Kombination aus lokalen Lieferanten über wlw und internationaler Beschaffung über Alibaba bietet dir die beste Flexibilität für dein wachsendes Amazon-Business. Teste beide Wege und finde heraus, was für deine spezifische Produktkategorie am besten funktioniert.
Deine Lieferanten sind das Fundament deines Amazon-Erfolgs – wähle sie weise.