Ein Browse Node (BN), im Deutschen oft auch als „Kategorienummer“ oder „Knotenpunkt“ bezeichnet, ist ein zentraler Bestandteil der Produktklassifizierung auf dem Amazon-Marktplatz. Technisch gesehen handelt es sich um eine eindeutige numerische Identifikationsnummer (ID), die Amazon verwendet, um Produkte innerhalb seiner gewaltigen, hierarchischen Kategoriestruktur – dem sogenannten Browse Tree – zu organisieren. Jeder Knotenpunkt repräsentiert eine spezifische Kategorie oder Unterkategorie, wodurch Kunden Produkte über die Navigation („Stöbern“) finden können und der Algorithmus die Relevanz eines Artikels versteht.
Für Seller und Vendoren ist das Verständnis und die korrekte Zuweisung des Browse Nodes essenziell, da dieser nicht nur die Auffindbarkeit steuert, sondern auch direkten Einfluss auf Verkaufsgebühren, verfügbare Produktattribute und das Ranking hat.
Die Hierarchie: Root, Branch und Leaf Nodes
Das Kategoriesystem von Amazon gleicht einem Baum (daher der Begriff „Browse Tree“). Um die Funktion der Browse Nodes zu verstehen, muss man die drei Ebenen dieser Struktur kennen:
- Root Node (Wurzel): Dies ist die oberste Ebene, die sehr breite Kategorien umfasst (z. B. „Elektronik & Foto“ oder „Bekleidung“).
- Branch Node (Zweig): Dies sind Unterkategorien, die die Auswahl verfeinern (z. B. „Kameras“ oder „Herrenbekleidung“). Sie dienen der Navigation, beinhalten aber in der Regel noch keine direkten Artikelzuweisungen.
- Leaf Node (Blatt): Dies ist der spezifischste Punkt am Ende eines Zweiges (z. B. „Digitale Spiegelreflexkameras“ oder „Herren-T-Shirts“).
Eine der wichtigsten Regeln im Amazon-Katalog lautet: Produkte müssen immer dem spezifischsten Leaf Node zugewiesen werden. Amazon sorgt anschließend automatisch dafür, dass das Produkt auch in den darüberliegenden Branch- und Root-Kategorien sichtbar ist. Eine Zuweisung zu einer allgemeinen Oberkategorie ist oft technisch nicht möglich oder führt zu einer schlechteren Sichtbarkeit.
Bedeutung für SEO, Ranking und Bestseller-Status
Der Browse Node ist weit mehr als nur eine organisatorische Nummer. Er ist ein kritischer Faktor für die Suchmaschinenoptimierung (Amazon SEO) und die Conversion-Rate:
1. Sichtbarkeit und Navigation:
Wenn ein Kunde nicht über die Suchleiste geht, sondern sich durch die Menüs klickt (z. B. „Alle Kategorien“ -> „Sport“ -> „Angeln“), bestimmt der Browse Node, ob Ihr Produkt in den Ergebnissen erscheint. Ein falscher Node macht das Produkt für diese „Stöberer“ unsichtbar.
2. Attribut-Steuerung:
Die Wahl des Browse Nodes bestimmt, welche Felder im Listing ausgefüllt werden können (z. B. „Materialzusammensetzung“ bei Kleidung oder „Bildschirmgröße“ bei Laptops). Falsche Nodes führen dazu, dass wichtige Filteroptionen fehlen, was die Auffindbarkeit über die Facetten-Suche (Filter in der Seitenleiste) massiv einschränkt.
3. Best Seller Rank (BSR):
Der Bestseller-Rang wird immer relativ zur Kategorie berechnet. Ein Produkt konkurriert nur mit anderen Artikeln im selben Browse Node. Die Wahl eines präzisen Leaf Nodes (Nische) kann es einfacher machen, einen „Best Seller“-Badge zu erhalten, als die Platzierung in einer stark umkämpften, breiten Kategorie.
Praxisanwendung: Zuweisung und Fehlervermeidung
Die Zuweisung des Browse Nodes erfolgt entweder direkt beim Anlegen des Produktes im Seller Central oder – für professionelle Händler üblicher – via Flat Files (Lagerbestandsdateien).
In den Flat Files finden Sie das Feld Recommended Browse Nodes. Um die korrekte ID zu finden, nutzen Seller den Product Classifier oder den Browse Tree Guide (BTG), eine von Amazon bereitgestellte Liste aller IDs. Da sich die Kategoriestruktur von Amazon dynamisch verändert und weiterentwickelt (z. B. durch neue EU-spezifische Kategorien), ist es ratsam, regelmäßig zu prüfen, ob die zugewiesenen Nodes noch aktuell sind.
Häufige Fehler:
- Falsche Kategorisierung: Ein Produkt, das in einem themenfremden Node gelistet wird (z. B. eine „Brotbüchse“ in „Elektronik“), riskiert eine Ausblendung durch den Algorithmus oder eine Sperrung des Listings wegen Manipulation.
- Verwendung von Branch Nodes: Versucht ein Seller, ein Produkt zu allgemein zu listen, wird die Sichtbarkeit oft eingeschränkt, da Amazon spezifische Datenpunkte erwartet, die nur im Leaf Node abgefragt werden.
Aktuelle Entwicklungen
Amazon verfeinert seine Algorithmen stetig. Neuere Entwicklungen zeigen, dass der Algorithmus ASINs manchmal automatisch in andere Browse Nodes verschiebt, wenn er glaubt, dass das Produkt dort besser passt („Re-Classification“). Dies kann hilfreich, aber auch schädlich sein. Händler sollten daher ihre „Category Listing Reports“ regelmäßig überwachen und bei fehlerhaften automatischen Verschiebungen Fälle beim Support eröffnen, um die korrekte ID wiederherzustellen.