BD ist ein im Amazon-Kosmos häufig verwendetes Akronym und steht für Best Deal (auf Deutsch oft als „Preisaktion“ oder „Top-Angebot“ bezeichnet). Hierbei handelt es sich um ein spezifisches Werbeformat auf dem Amazon-Marktplatz, bei dem Produkte für einen festgelegten Zeitraum – meist bis zu zwei Wochen – zu einem rabattierten Preis angeboten und auf der stark frequentierten „Angebote“-Seite (Today’s Deals) gesondert hervorgehoben werden.
Im Gegensatz zu den extrem kurzlebigen Blitzangeboten (Lightning Deals / LD), die oft nur für wenige Stunden aktiv sind, bieten Best Deals eine längerfristige Sichtbarkeit. Sie sind ein essenzielles Instrument für Seller und Vendoren, um Absatzzahlen (Sales Velocity) nachhaltig zu steigern und das organische Ranking zu verbessern.
Funktionsweise und Einordnung auf Amazon
Ein Best Deal ist mehr als nur eine einfache Preissenkung. Es ist eine von Amazon kuratierte Promotion. Die Teilnahme an diesem Programm erfolgt nicht automatisch, sondern basiert auf Einladungen oder Empfehlungen im Seller Central (unter dem Reiter „Werbung“ > „Angebote“).
Die Einordnung in die Amazon-Struktur sieht wie folgt aus:
- Seller Central: Für Drittanbieter (3P-Seller) sind Best Deals ein mächtiges Werkzeug, um Produkte aus der Masse hervorzuheben. Sie erscheinen auf der zentralen Angebotsseite, die von vielen Kunden gezielt nach Schnäppchen durchsucht wird.
- FBA (Versand durch Amazon): Die Nutzung von FBA (Fulfillment by Amazon) ist zwar keine zwingende technische Voraussetzung für jeden Deal-Typ, erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit drastisch, für einen Best Deal zugelassen zu werden. Amazon bevorzugt Produkte, die eine schnelle und garantierte Lieferung (Prime-Status) bieten.
- Vendor Central: Auch First-Party-Verkäufer (Vendoren) nutzen ähnliche Promotion-Formate, wenngleich die Begrifflichkeiten und Buchungswege hier abweichen können und oft in direkter Absprache mit dem Vendor Manager (AVS) stehen.
Voraussetzungen und Richtlinien
Damit ein Produkt für einen BD (Best Deal) qualifiziert ist, müssen strenge Kriterien erfüllt werden. Amazon schützt so das Kauferlebnis der Kunden und stellt sicher, dass nur echte Angebote ausgespielt werden. Zu den wichtigsten Faktoren gehören:
- Preisgestaltung: Der Angebotspreis muss attraktiv sein. In der Regel verlangt Amazon einen signifikanten Rabatt gegenüber dem aktuellen Verkaufspreis sowie dem niedrigsten Preis der letzten 30 Tage (Referenzpreis).
- Produktbewertungen: Artikel mit schlechten Rezensionen werden selten zugelassen. Ein Mindestdurchschnitt (oft 3,0 oder 3,5 Sterne) ist meist erforderlich.
- Verfügbarkeit: Da Best Deals hohen Traffic generieren, muss ausreichend Lagerbestand vorhanden sein, um die Nachfrage über die gesamte Laufzeit (z. B. 14 Tage) zu decken.
- Compliance: Das Listing muss alle rechtlichen Anforderungen erfüllen (z. B. korrekte Bilder, keine verbotenen Aussagen). In Deutschland sind zudem die Vorgaben der Preisangabenverordnung (PAngV) strikt einzuhalten, insbesondere hinsichtlich der Streichpreise und der Preishistorie.
Strategischer Nutzen und Anwendungsfälle
Warum sollten Händler Marge opfern und einen Best Deal schalten? Der Nutzen geht weit über den kurzfristigen Umsatz hinaus:
- Ranking-Boost: Durch die erhöhte Verkaufsgeschwindigkeit (Sales Velocity) während der Deal-Laufzeit klettert das Produkt im organischen Ranking (BSR – Best Seller Rank) nach oben. Dieser Effekt kann auch nach Ende des Deals anhalten (Halo-Effekt).
- Lagerbereinigung: Best Deals eignen sich hervorragend, um Überbestände abzubauen, Saisonware am Ende der Saison zu verkaufen oder Platz im Lager zu schaffen, um Langzeitlagergebühren zu vermeiden.
- Produkteinführung: Zwar ist es für brandneue Produkte ohne Bewertungen schwer, einen Deal zu bekommen, aber sobald erste Rezensionen da sind, kann ein BD als Beschleuniger (Flywheel-Effekt) wirken.
Häufige Fehler und Risiken
Trotz der Vorteile gibt es Fallstricke bei der Durchführung von Best Deals. Ein häufiger Fehler ist das „Out-of-Stock“-Szenario. Wenn der Lagerbestand während eines laufenden Deals zur Neige geht, bricht Amazon die Aktion ab, was das Ranking der ASIN nachhaltig schädigen kann.
Ein weiteres Risiko liegt im Marketing-Mix. Ein BD allein reicht oft nicht aus. Erfahrene Seller schalten begleitend Amazon PPC-Kampagnen (Sponsored Products), um den Traffic auf das rabattierte Angebot weiter zu maximieren. Wer dies versäumt, verschenkt Potenzial.
Zudem müssen Händler auf die Preiswahrheit achten. Künstlich erhöhte Preise kurz vor der Aktion, um den Rabatt größer wirken zu lassen, werden von Amazons Algorithmen erkannt und führen zum Entzug der Deal-Berechtigung oder sogar zur Sperrung des Accounts.