Der Begriff 3P oder 3PS ist eine der wichtigsten Abkürzungen im Amazon-Ökosystem und steht für Third-Party Seller (Drittanbieter). Er beschreibt Händler, die den Amazon-Marktplatz als Plattform nutzen, um ihre Produkte direkt an Endkunden zu verkaufen. Im Gegensatz zu Amazon selbst, das als Einzelhändler agiert, behalten 3P-Seller das Eigentum an ihrer Ware bis zum Moment des Verkaufs.
Für Unternehmen und Marken ist das Verständnis des 3P-Modells essenziell, da es den größten Teil der auf Amazon gelisteten Produkte ausmacht und spezifische strategische Vorteile gegenüber dem klassischen Großhandelsmodell (Vendor) bietet.
Definition: Was sind 3P / 3PS Händler?
Ein 3P-Seller (Third-Party Seller) ist ein unabhängiger Kaufmann, der seine Waren über das Amazon-Backend, bekannt als Seller Central, listet, bewirbt und verkauft. Wenn ein Kunde ein Produkt von einem 3PS kauft, steht auf der Produktdetailseite der Hinweis: „Verkauf durch [Händlername] und Versand durch Amazon“ (bei Nutzung von FBA) oder „Verkauf und Versand durch [Händlername]“.
Die Kernmerkmale des 3P-Modells sind:
- Unabhängigkeit: Der Händler agiert als eigenständiger Verkäufer gegenüber dem Endkunden.
- Plattformnutzung: Amazon stellt lediglich den Marktplatz (Traffic) und die technische Infrastruktur zur Verfügung.
- Eigentum: Die Ware gehört dem Händler, bis sie verkauft wird. Amazon kauft die Ware nicht an.
Abgrenzung: 3P (Seller) vs. 1P (Vendor)
Um die Bedeutung von 3P vollständig zu erfassen, muss man es vom 1P-Modell (First-Party) abgrenzen. Im 1P-Modell agieren Unternehmen als Vendoren (Lieferanten). Sie verkaufen ihre Ware direkt an Amazon (B2B), und Amazon verkauft diese dann an den Endkunden weiter. Diese Produkte sind gekennzeichnet mit „Verkauf und Versand durch Amazon“.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Kontrolle:
- Preishoheit: Als 3P-Seller bestimmen Sie den Verkaufspreis selbst. Als 1P-Vendor bestimmt Amazon den Preis (was oft zu Preiskämpfen führt).
- Listing-Kontrolle: 3P-Seller haben direkten Zugriff auf Titel, Bilder und Beschreibungen im Seller Central. Änderungen werden oft schneller übernommen als im Vendor Central.
- Marketing: 3P-Händler steuern ihre Werbekampagnen (Amazon PPC) eigenständig und flexibel.
Logistik im 3P-Modell: FBA vs. FBM
Obwohl 3P-Seller unabhängige Händler sind, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass sie Pakete selbst packen müssen. Innerhalb des 3P-Status gibt es zwei logistische Hauptwege:
- FBA (Fulfillment by Amazon): Der 3P-Seller sendet seine Ware an Amazon-Logistikzentren. Amazon übernimmt Lagerung, Versand, Retourenmanagement und den Kundenservice für die Lieferung. Der Händler bleibt Eigentümer der Ware und zahlt Gebühren an Amazon. Dies ist der häufigste Weg, um das “Prime”-Abzeichen zu erhalten.
- FBM (Fulfillment by Merchant): Der 3P-Seller lagert die Ware im eigenen Lager und versendet sie selbstständig an den Kunden. Hier hat der Händler die volle Kontrolle über den Versandprozess, muss aber strenge Amazon-Richtlinien bezüglich Lieferzeiten einhalten.
Pflichten, Gebühren und Richtlinien
Der Status als Third-Party Seller bringt nicht nur Freiheiten, sondern auch strikte Verpflichtungen mit sich. Amazon überwacht die Leistung der 3P-Verkäufer penibel anhand verschiedener KPIs (Key Performance Indicators), wie z. B. der Rate an Bestellmängeln oder verspäteten Lieferungen.
Wichtige Aspekte für den Erfolg als 3P:
- Gebührenstruktur: 3P-Seller zahlen eine monatliche Grundgebühr für das professionelle Verkäuferkonto sowie eine prozentuale Verkaufsprovision (Referral Fee) auf jeden verkauften Artikel (meist zwischen 7 % und 15 %). Bei Nutzung von FBA kommen Lager- und Versandgebühren hinzu.
- Rechtliche Compliance: Da der 3P-Seller Vertragspartner des Kunden ist, haftet er für die Einhaltung lokaler Gesetze (z. B. DSGVO, Verpackungsgesetz, Gewährleistung). Ebenso müssen Amazons „Fair Pricing Policy“ und Produktsicherheitsstandards eingehalten werden.
- Kundenservice: Wer FBM nutzt, muss Kundenanfragen innerhalb von 24 Stunden beantworten – auch am Wochenende.
Fazit: Die Bedeutung für die E-Commerce-Strategie
Der Anteil der 3P-Verkäufe am gesamten Amazon-GMV (Gross Merchandise Volume) wächst stetig und hat die 1P-Verkäufe bereits überholt. Amazon investiert massiv in Tools für 3P-Seller, da diese dem Marktplatz Produktvielfalt und Preiswettbewerb sichern.
Für Markenhersteller ist der Wechsel oder die parallele Nutzung des 3P-Modells (Hybrid-Modell) oft der beste Weg, um Preiserosion zu verhindern, die Marke konsistent zu präsentieren und direkten Zugriff auf Verkaufsdaten zu erhalten. Wer die Mechanismen von Seller Central, FBA und den Amazon-Richtlinien beherrscht, findet im 3P-Modell den mächtigsten Hebel für Skalierung im E-Commerce.